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„Sprechen, sprechen, sprechen…niemals aufgeben!“

Auf der zweiten Sitzung des ‚Arbeitskreises Interkulturelle Öffnung von Tagespflegeeinrichtungen‘ im Kompetenz Zentrum Interkulturelle Öffnung der Altenhilfe (kom•zen) stellte Elizabeth Schmidt-Pabst, Koordinatorin ‚Ambulanter Lazarus Hospizdienst‘, den Teilnehmenden wichtige Themen interkultureller Öffnung vor und diskutierte mit ihnen praktische Handlungsansätze.

In der ersten Sitzung des Arbeitskreises analysierten Tagespflegeeinrichtungen ihr Umfeld und bestehende Netzwerke. Die Feststellung des Bedarfs, sich mit Migrantenorganisationen und Glaubensgemeinschaften zu vernetzen, war ein wichtiges Ergebnis. Die Leitfrage der zweiten Sitzung war: „Wie kann Kultursensibilität in der Einrichtung gelebt werden?“

Einen besonderen Schwerpunkt legte die Referentin Elizabeth Schmidt-Pabst auf kultursensible Kommunikation: „Sie ist die Basis – alles Weitere baut darauf auf.“ Das Sprechen im Dialekt oder die Verwendung von Bildsprache können zu Verständigungsproblemen führen. Daher sei es sehr wichtig, sich die eigene Art der Kommunikation bewusst zu machen. Kultursensible Kommunikation sei aber weitaus mehr als der Austausch von Informationen durch Sprache. Auch nonverbale Kommunikation und Mikromimik sowie ein gemeinsam geteiltes kulturelles Wissen spielen für die Verständigung eine wichtige Rolle. Muttersprachler haben deshalb eine besondere Bedeutung, weil sie diese unhörbaren und unsichtbaren kulturellen Faktoren mitkommunizieren. Bei ihrem Einsatz ist allerdings auch Geschlecht und themenspezifisches Wissen zu berücksichtigen.

Besonderen Wert legte die Referentin auf die Auseinandersetzung der Teilnehmenden mit den eigenen Erwartungen, Gefühlen und Vorurteilen.

  • Wie reagiere ich, wenn jemand etwas ganz anders sieht?
  • Wie reagiere ich, wenn ich etwas nicht verstehe?
  • Wie geht es mir, wenn ich nicht mitreden kann?

In einer Übung setzten sich die Teilnehmenden mit ihren eigenen Vorurteilen auseinander, in dem sie Stichworte bekamen und ihre unmittelbaren Gedanken dazu aufschreiben sollten. Auf diese Weise wurde erfahrbar, dass Vorurteile normal sind und nicht geleugnet werden sollten, damit sie ehrlich reflektiert werden können.

Elizabeth Schmidt-Pabst betont, dass die interkulturelle Öffnung ein Prozess sei, der nicht abschließbar ist. Man müsse „sprechen, sprechen, sprechen…niemals aufgeben!“. Die Rolle der Leitung hat dabei eine besondere Bedeutung: Es sei wichtig, dass diese interkulturelle Öffnung lebt. „Leitungen sind Vorbilder und legen den Grundbaustein.“ Möchten Einrichtungen Menschen mit Migrationshintergrund als Gäste gewinnen, kann auch paradox gefragt werden: „Was muss eine Einrichtung tun, damit Menschen mit Migrationshintergrund sich nicht willkommen fühlen?“

Dass die interkulturelle Öffnung zunächst ein sehr persönlicher Prozess ist, war ein Fazit dieser Sitzung. Die Fähigkeit der Selbstreflexion, die Beschäftigung mit dem eigenen Denken, Kommunizieren und Handeln, ist eine wichtige Voraussetzung interkultureller Organisationsentwicklung.

gefördert durch

Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung

Träger

Arbeiterwohlfahrt Berlin Spree-Wuhle e. V.
Caritasverband für das Erzbistum Berlin e.V.