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„Liebe (asiatische) Senior_innen, wie geht’s Ihnen heute?“

Die ‚Gesellschaft für psychosoziale Gesundheitsförderung bei Migranten/-innen in Berlin e.V.‘ (GePGeMi) führte die erste Studie zu Bedürfnissen und gesundheitlicher Lage ostasiatischer Senior_innen in Berlin durch und präsentierte die Zwischenergebnisse auf einem Fachtag im Rathaus Charlottenburg-Wilmersdorf. Die Veranstaltung stand unter der Schirmherrschaft des Integrationsbeauftragten des Bezirksamts Charlottenburg-Wilmersdorfs, Herr Leon Friedel, der die Begrüßungsrede hielt.

Für die Realisierung der Studie und der Präsentation der Zwischenergebnisse auf dem Fachtag kooperierte ein breites Bündnis aus asiatischen Migrantenselbstorganisationen: Opens external link in new windowGePGeMi e.V., Opens external link in new windowJapanische Fraueninitiative Berlin, Theatergruppe koreanischer ehemaliger Krankenschwestern, Opens external link in new windowDeJaK-Tomonokai e.V., Opens external link in new windowDanke Deutschland e.V., Opens external link in new windowVereinigung der Vietnamesen in Berlin & Brandenburg e.V.

Die Studie von GePGeMi e.V. liefert Verantwortlichen erste Anhaltspunkte dafür, wie sie auf ostasiatische Senior_innen in ihren Planungen eingehen können. Untersucht wurden japanische, koreanische und vietnamesische Ältere ab einem Alter von 55. Für die Studie wurde ein standardisierter Fragebogen verwendet und auf Japanisch, Koreanisch, Vietnamesisch und Deutsch übersetzt.

Dr. Min-Sung Kim, erster Vorsitzender von GePGeMi e.V. und Gastdozent an der Alice-Salomon Hochschule, präsentierte die ersten Zwischenergebnisse der Studie in Bezug auf gesundheitsbezogene Lebensqualität und Altersbilder. Im Vergleich zur deutschen Bevölkerung haben die Befragten ein deutlich höheres Bildungsniveau. Allerdings werden die physischen und psychischen Aspekte der gesundheitsbezogenen Lebensqualität geringer eingeschätzt. Ältere Vietnamesen geben auch sehr deutlich mit ca. 70% an, dass sie sich benachteiligt fühlen, was bei Japanern und Koreanern viel seltener ist. Ein weiteres Ergebnis ist, dass die befragten Vietnamesen sich der traditionellen konfuzianischen Einstellung, dass der Sohn sich um die altgewordenen Eltern kümmern soll, deutlich mehr anschließen als die befragten Japaner und Koreaner.

Alle Herkunftsgruppen zeigen eine starke Präferenz dafür, auch im Alter in der eigenen Wohnung zu bleiben. Während allerdings Japaner und Koreaner die Pflege durch einen ambulanten Pflegedienst bzw. den Einzug in eine Wohnung in einem Pflegeheim als wichtige Optionen betrachten, ist die Erwartung bei den Vietnamesen durch die eigenen Kinder versorgt zu werden um ein vielfaches höher. Der Umzug in eine kultursensible Wohngemeinschaft ist für alle Gruppen eine weitere attraktive Möglichkeit.

Ein sehr gutes Beispiel für Selbstorganisation ist der Deutsch-Japanische Verein für kultursensible Pflege, DeJak – Tomonokai e.V., dessen Arbeit von Frau Nozomi Spennemann vorgestellt wurde. Der Verein ist eine Koordinierungsstelle des japanischen Regierungsprogramms ‚Caravan-Mate‘ und bildet Ninchisho (Demenz)-Supporter in Deutschland aus. In dem Workshop ‚Von der Nachbarschaftshilfe zum Ehrenamt: Wie kann informelle Hilfe innerhalb der Community professionalisiert werden?‘ stellte Frau Nozomi Spennemann die neue Kooperation mit dem Kompetenzzentrum Pflegeunterstützung (Kontaktstellen PflegeEngagement) vor. Erfahrungen und Herausforderungen bei der Unterstützung der japanischsprachigen Ehrenamtlichen durch die Kontaktstellen PflegeEngagement sowie Chancen der Übertragbarkeit des Modells auf andere Communities wurden diskutiert.

Andrea Müller vom Pflegestützpunkt Lichtenberg berichtete in einem weiteren Vortrag über die Beratung von vietnamesischen Pflegebedürftigen. Pflegestützpunkte aus Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg kooperieren mit ‚Reistrommel e.V.‘ und dem Verein ‚Humanität, Kultur-Sport e.V.‘, um die Beratung auf Vietnamesisch zu gewährleisten. Reistrommel e.V. hat dafür Projektgelder beantragt und das Dolmetschen übernimmt Frau Nguyen Thi Quyet Thang von ‚Humanität, Kultur-Sport e.V.‘.

Im Workshop ‚Gesellschaftliche Teilhabe‘ vertiefte Herr Dr. Min-Sung Kim (GePGeMi e.V.) die Untersuchungsergebnisse und diskutierte die Frage ‚Wie gesellschaftliche Teilhabe unter den ostasiatischen Migranten gefördert werden kann‘. In der Diskussion wurden unterschiedliche Perspektiven von Experten und Betroffenen ausgetauscht.: Die Experten und ein Teil von den Betroffenen waren der Meinung, dass die verstärkte Motivation von asiatischen älteren Migrant*innen zur Verbesserung ihrer gesellschaftlichen Teilhabebeitragen kann. Im Vergleich dazu vertraten die meisten Betroffenen die Ansicht, dass Informationsdefizite, unzufriedene interkulturelle Öffnung und strukturelle Benachteiligung etc. wesentliche Probleme für die erschwerte Teilhabe darstellen.

Im Workshop ‚Kultursensible Pflege‘, der von Christof Rambke (kom•zen) geleitet wurde, ging es zunächst darum, die Bedürfnisse ostasiatischer Älterer zu artikulieren, um mögliche Ansatzpunkte und Bedarfe für die interkulturelle Öffnung der Altenhilfe abzuleiten. Es wurde deutlich, dass es an mehrsprachigen Pflegeangeboten mangelt. Angebote im ambulanten Bereich sowie bei Wohngemeinschaften müssen noch geschaffen werden. Bestehende Angebote insbesondere im stationären Bereich müssen sich stärker interkulturell öffnen.

Mit der Studie und dem Fachtag hat GePGeMi e.V. einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung des Altenhilfesystems in Berlin geleistet. Die weiteren Auswertungen der Studiendaten werden über die gesundheitliche Situation und die Bedürfnisse ostasiatischer Älterer aufklären und eine gezieltere Planung von Angeboten und Diensten ermöglichen.

Das Programm und die Dokumentation finden Sie Opens external link in new windowhier.

 

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Träger

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