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Fachgespräch „pflegende Angehörige mit Migrationsgeschichte“ mit Fato? Topaç (Bündnis 90/Die Grünen)

Fato? Topaç lud pflegende Angehörige mit Migrationsgeschichte sowie Pflegeexpertinnen zu einem Fachaustausch ins Abgeordnetenhaus von Berlin ein. Güllü Kuzu (kom•zen) erläuterte, dass Interkulturelle Öffnung auf allen Ebenen einer Organisation gelebt werden müsse, um erfolgreich zu sein. Das Fachgespräch orientierte sich an folgenden Leitfragen: Wie können wir pflegende Angehörige mit Migrationsgeschichte besser informieren? Was wird gebraucht? Wie müssen Angebote aufgestellt sein, um pflegende Angehörige mit Migrationsgeschichte zu erreichen?

Die Pflege eines Angehörigen geht mit Liebe und Fürsorge einher – aber ist auch mit Herausforderungen verbunden. Pflegende Angehörige dürfen mit ihren Problemen, Sorgen und Bedürfnissen nicht alleine gelassen werden. Auch pflegende Angehörige mit Migrationsgeschichte müssen Zugang zu Information und Beratung erhalten, dies ist eine Frage der Teilhabegerechtigkeit.

Zwei pflegende Angehörige mit Migrationsgeschichte haben an dem Fachgespräch teilgenommen und über ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit der Pflege ihrer Angehörigen berichtet. Während in einem Fall erst nach dreizehn Jahren bekannt wurde, dass es Anspruch auf Pflegegeld gibt und ein Antrag mit Hilfe der Nachbarin gestellt werden konnte, wurde in einem zweiten Fall deutlich, dass die neue Pflegesituation schnell überfordert. Auch wenn das Angebot der Pflegestützpunkte bekannt war, so stellen neben sprachlichen Barrieren vor allem auch die Form der Ansprache eine Hürde dar.

Helena Miller, Interkulturelle Brückenbauerin in der Pflege, beschrieb, dass pflegende Angehörige mit Migrationsgeschichte oft nicht wissen, wohin sie sich wenden können oder sich nicht trauen, die bestehenden Angebote in Anspruch zu nehmen. Das Unwissen über Ansprüche auf Pflegegeld, Verhinderungspflege o.ä sowie sprachliche Barrieren müssten überbrückt werden. Doch auch wenn Betroffene gute deutsche Sprachkompetenzen haben, sind Informationen oft schwer verständlich aufbereitet.

Güllü Kuzu, Leiterin des Bereichs Pflege im Kompetenz Zentrum Interkulturelle Öffnung der Altenhilfe, erläuterte, dass es wichtig sei, dass auch von außen sichtbar sei, dass Angebote die Bedürfnisse von Pflegebedürftigen und pflegenden Angehörigen mit Migrationsgeschichte berücksichtigen und stillen können. Auch wer gut Deutsch spreche, könne diese Kompetenzen beispielsweise im Falle einer Demenz wieder verlieren. Spezielle Einrichtungen nur für Menschen mit Migrationsgeschichte seien vor allem Symptom dessen, dass mit vorhandenen Angeboten die Ansprache dieser Personengruppe nicht gelinge. Interkulturelle Öffnung sei mehr als ein mehrsprachiges und multikulturelles Team, sondern müsse auch bei der Geschäftsführung oder Pflegedienstleitung beginnen. Neben einem Ausbau der Angebote für pflegende Angehörige mit Migrationsgeschichte, benötige es auch mehr Vernetzung und Kontaktpflege unter allen Hilfs- und Unterstützungsangeboten der Pflege.

Wenn pflegende Angehörige mit Migrationsgeschichte besser informiert und beraten werden sollen, müssen alle zusammenarbeiten. Neben den bereits bestehenden Strukturen braucht es vor allem aufsuchende Angebote, wie Lots*innen und Case-Manager*innen, oder auch Senior*innen-Cafés für Migrant*innen. Entscheidend sei aber auch die Vernetzung untereinander. Vertreter*innen aller fünf Kontinente müssen zusammenarbeiten, um allen pflegenden Angehörigen mit Migrationsgeschichte Unterstützung und Beratung zukommen zu lassen. Das Fachgespräch diente deshalb auch als Vernetzungsplattform unter den Vertreter*innen verschiedener Communities und bestehender Angebote.

Die Erkenntnisse aus dem Fachgespräch sollen in die parlamentarische Arbeit der Grünen einfließen.

gefördert durch

Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung
Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales

Träger

Arbeiterwohlfahrt Berlin Spree-Wuhle e. V.
Caritasverband für das Erzbistum Berlin e.V.