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Altun Aktürk


Altun Aktürk
Geboren                         am 05. März 1943 in Ordu/Türkei
In Deutschlandseit 1970, Berlin
Staatsangehörigkeit          türkisch
Beruf

Frührentnerin, arbeitete in Textilfabrik und einem Krankenhaus für chronisch Erkrankte

Familienstandgeschieden, 3 Kinder, 6 Enkelkinder und 2 Urenkel

Altun Aktürk lebte mit ihrer Familie in einem kleinen Dorf nahe der Stadt Ordu am Schwarzen Meer. Im Kindesalter zog die Familie nach Istanbul, um Arbeit zu suchen. Einen Beruf konnte Frau Aktürk nicht lernen, da sie schon mit 13 Jahren in einer Textil-Fabrik arbeiten musste. Sie arbeite bis sie 19 Jahre alt wurde und heiratete. Da es zu dieser Zeit in der Türkei keine Möglichkeiten der Kinderbetreuung gab, wurde Frau Aktürk Hausfrau. Als ihr Ehemann seine Arbeit verlor, nahm sie das Schicksal der Familie selbst in die Hand und bewarb sich in einer Textil-Fabrik in Alt-Reinickendorf, wo auch ihre Schwester arbeitete. Im August 1970 kam sie als Gastarbeiterin nach Berlin.

Aufgrund ihrer erworbenen Deutschkenntnisse konnte sie ihre Landsleute bei der Kommunikation mit den Behörden und dem Ausfüllen von Anträgen unterstützen. Auch bei Arztbesuchen wurde sie gebeten sensible Themen zu übersetzen. Frau Aktürk zeigte sich immer hilfsbereit und kompetent Probleme gemeinsam zu lösen. So wurde sie schnell ein wertvolles Mitglied der türkischen Community in Berlin.

Seniorenpolitisches Engagement

2006 stellte sich Frau Aktürk zur Wahl der bezirklichen Seniorenvertretung in Neukölln. Vorgeschlagen wurde sie vom Interkulturellen Beratungs- und Begegnungs Centrum e.V. (IBBC) aus Neukölln mit Sitz im Haus des älteren Bürgers, das ihre älteste Tochter gründete. Die Diskriminierung von Türken, die sie selbst und in ihrer ehrenamtlichen Arbeit häufig erleben musste, war ein wichtiger Grund für sie, sich in der Seniorenvertretung zu engagieren. Frau Aktürk wurde als erste türkische Frau in die Seniorenvertretung Neuköllns gewählt.

Die Anfangszeit in diesem Gremium war für sie nicht leicht. Doch sie ließ sich niemals entmutigen und wurde 2017 bereits zum dritten Mal in die Neuköllner Seniorenvertretung gewählt. Als Mitglied der AG Migration des Landesseniorenbeirates Berlin ist sie auch in der berlinweiten Seniorenpolitik tätig. Zusammen mit den Mitgliedern der AG Migration setzt sie die Leitlinie 13 „Ältere Migrantinnen und Migranten“ der Leitlinien der Berliner Seniorenpolitik um. Die damalige Senatorin für Gesundheit, Soziales und Verbraucherschutz, Heidi Knake-Werner, lud Frau Aktürk mehrmals ins Abgeordnetenhaus zu Veranstaltungen ein, um über das Thema Kultursensibilität in der Altenhilfe und Altenpflege zu diskutieren.

Frau Aktürk macht sich in ihrem Engagement für alle älteren Menschen stark. Als Angehörige der ersten sogenannten „Gastarbeiter“-Generation bringt sie zudem wertvolle Migrationserfahrung  in  die Seniorenpolitik mit ein und formuliert Bedarfe und Problemlagen der Älteren mit Migrationshintergrund und trägt diese den Entscheidungsträgern vor; so übt sie eine sehr wichtige Brückenfunktion aus. In der taz erklärte sie: „Ältere türkische Menschen bleiben allein zu Hause. Da sie nicht richtig Deutsch sprechen können, ziehen sie sich zurück." Es ist genau diese Vereinsamung, die Frau Aktürk mit ihrem sozialen Engagement aufbrechen möchte, den Älteren einen Zugang zu den Leistungen des Altenhilfe- und Versorgungssystems zu vermitteln. Ein wichtiges Anliegen ist es ihr auch, die Seniorenvertretung in der türkischen Community bekannter zu machen. Neben persönlichen Ansprachen besucht sie auch regelmäßig die Sitzungen des Migrationsbeirates sowie der Ausschüsse, um Unterstützung einzufordern, und präsentiert ihnen die Arbeit der Seniorenvertretung und informiert über die Wahlen.

Um für ihre Themen Gehör zu finden, scheut Frau Aktürk die Öffentlichkeit nicht. Neben Zeitungsartikeln in der Opens external link in new windowtaz (23.02.2008), Opens external link in new windowBerliner Morgenpost (22.09.2010) u.a. sowie einem Radiobeitrag im Opens external link in new windowDeutschlandradio (09.01.2009) hält sie auch Reden; berichtet von ihren Erfahrungen, den Problemlagen und arbeitet an deren Lösung. Ein Höhepunkt war ihre Rede auf der Konferenz „Jetzt Reden wir! Perspektiven und Interessen älterer Zuwanderinnen und Zuwanderer im bürgerschaftlichen Engagement“ der Friedrich-Ebert-Stiftung zur Lage älterer türkischer Migranten im Jahre 2010.

Im Jahre 2011 beteiligte sie sich an der Ausstellung „Erinnerungen an eine neue Heimat – Aus dem Leben deutscher Istanbulerinnen und türkischer Berlinerinnen“ des KulturForum TürkeiDeutschland e.V. und dem Bündnis für Demokratie und Toleranz (BfDT). Auf der Vernissage der Ausstellung war sie als Rednerin im Rahmen einer Podiumsdiskussion eingeladen. Ihre Migrationsgeschichte als Beitrag der Ausstellung wurde in dem Buch „Berlin-Istanbul. Erinnerungen an eine neue Heimat- Yeni Memleketten Anılar. İstanbullu Alman, Berlinli Türk kadınların hayatından“, das vom KulturForum TürkeiDeutschland herausgegeben wurde, veröffentlicht.

Frau Aktürk hat sehr viel für Berlin und die Integration und Partizipation der sogenannten „Gastarbeiter“ in die Berliner Stadtgesellschaft geleistet. Für ihr unermüdliches soziales und politisches Engagement wurde sie am 18.07.2017 verdient mit der Berliner Ehrennadel ausgezeichnet.

Altun Aktürk und der Staatsekretär der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales, Herr Alexander Fischer
v.l.n.r.: Dilek Mansuroğlu (Schwiegertochter), Çiğdem Tansu (Familie), Michael Strache (Sen. Beauft. Neukölln), Ilknur Gümüş (Tochter, IBBC e.V.), Altun Aktürk, Tuğra Gümüş (Enkelkind), Dr. Nadia Nagie (kom•zen), Erwin Bender (Vorsitz. SV Nk
v.l.n.r. Ilknur Gümüş (Tochter, IBBC e.V.), Altun Aktürk (Ehrennadelträgerin), Tuğra Gümüş (Enkelkind), Çiğdem Tansu (Familie), Dilek Mansuroğlu (Schwiegertochter)
Altun Aktürk (Ehrennadelträgerin)
v.l.n.r.: Michael Strache (Seniorenbeauftragter Neukölln), Altun Aktürk (Ehrennadelträgerin), Erwin Bender (Vorsitz. SV Neukölln)
v.l.n.r.: Regina Saeger (ehem. Vorsitzende des Landesseniorenbeirats Berlin), Altun Aktürk (Ehrennadelträgerin)
v.l.n.r.: Dr. Nadia Nagie und Christof Rambke (kom•zen), Altun Aktürk (Ehrennadelträgerin)

gefördert durch

Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung

Träger

Arbeiterwohlfahrt Berlin Spree-Wuhle e. V.
Caritasverband für das Erzbistum Berlin e.V.