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Herr Hamzeh Mudallal


Herr Hamzeh Mudallal
Geboren03. Feburuar 1940 in Amman, Jordanien
In Deutschlandseit 1961, ab 1964 in Berlin
Staatsangehörigkeitdeutsch
BerufFrührentner, Diätkoch und Hotelbesitzer
Familienstandverheiratet, fünf Kinder und zwei Enkelkinder

Hamzeh Mudallal stammt aus einer großen jordanischen Familie, die bis heute über die Staaten Jordanien, Syrien, Libanon und Irak verstreut lebt.

1961 kam er  im Alter von 21 Jahren nach Deutschland, um mit dem Politikstudium zu beginnen. Als er ankam, war es leichter beim Autobauer Mercedes-Benz in Stuttgart einen Arbeitsplatz zu erhalten, als auf einen Studienplatz an der Universität zu warten. Herr Mudallal sagt, dass es damals finanziell eine gute Zeit war, und er von der einheimischen Bevölkerung sehr respektiert wurde. Seine schwäbischen Kollegen im Autowerk mochten den jungen Hamzeh, den sie vereinfacht Hanzi nannten, sehr.

1964 zog es Hamzeh Mudallal nach Berlin. Damals arbeitete Herr Mudallal in verschiedenen Berliner Firmen und kannte die vielen Probleme der ersten Migrantengeneration, der sogenannten „Gastarbeiter“, zu denen er selbst plötzlich gehörte, besonders gut.

Herr Mudallal war 1966 Mitbegründer und stellvertretender Vorsitzender des Vereins der Arabischen Arbeiter Union e.V. Der Verein setzte sich für eine Verbesserung der sozialen Lage der Arbeiterschaft und für bessere Arbeitsbedingungen ein. Herr Mudallal kümmerte sich um das gesellige Beisammensein der Arbeiter und förderte dadurch aktiv den Dialog mit den einheimischen Kollegen. Seine Kolleginnen und Kollegen motivierte er dazu, sich stärker gewerkschaftlich zu engagieren. Schon Mitte der 1960er Jahre ging es ihm darum, den interkulturellen Dialog zu fördern und die Integration der Einwanderer aus unterschiedlichen Ländern zu ermöglichen.

Ab 2005 war Herr Mudallal Vorsitzender der Jordanischen Gemeinde Berlin-Brandenburg e.V., die sich mit der Jordanischen Gemeinde Deutschland e.V. vereinte. Beide Vereine setzen sich in Deutschland für die Förderung des interkulturellen Dialogs und gleichzeitig für Meinungsfreiheit und Demokratie in den arabischen Ländern ein. Aktiv unterstützt er die Vereinsgründung und den Aufbau der Vereinsarbeit.

2008 wurde schließlich das Deutsch-Arabische Zentrum (DAZ) für Bildung und Integration gegründet, und zwar als Kooperationsprojekt des Evangelischen Jugend- und Fürsorgewerks Lazarus mit arabischen Migrantenselbstorganisationen. Das Zentrum bietet Hilfen für Menschen mit arabischer Einwanderungsgeschichte, um deren schulische, berufliche, soziale und kulturelle Integration und Partizipation zu fördern. Im Deutsch-Arabischen Zentrum, unter dessen Dach sich mehrere arabische Vereine befinden, engagiert sich Herr Mudallal dafür, die kulturell unterschiedlichen Perspektiven von Deutschen und Arabern zu einer von allen Partnern geteilten Haltung der Wertschätzung und Anerkennung von Gleichheit und Verschiedenheit zusammenzuführen.

Neben der Migrationssozialarbeit und der aktuell wichtigen Arbeit mit Geflüchteten (u.a. der Begleitung minderjähriger Flüchtlinge) engagiert sich Herr Mudallal in folgenden interkulturellen Projekten:

So wird beispielsweise seit 2009 gemeinsam mit dem DAZ und der Türkischen Gemeinde das Neuköllner Ramadanfest im Rahmen eines großen Straßenfestes gefeiert, zu dem alle Bewohner eingeladen sind. Mit traditioneller Musik, Tanz, Gesang und einem umfangreichen kulinarischen Angebot schließt sich das Fest (Id al fitr) unmittelbar an den Fastenmonat Ramadan an.

Auch beteiligt sich das DAZ an der Gestaltung und mit eigenen Projekten am Neuköllner Kulturfestival „48 Stunden Neukölln“, das alle Bevölkerungsgruppen unabhängig von Alter, Herkunft und sozialer Stellung einbindet.

Das DAZ nimmt darüber hinaus am Umzug und am Straßenfest des Karnevals der Kulturen mit einem Wagen, Musikern und einer Dabke-Folklore-Tanzgruppe teil.

Zweimal wöchentlich leitet Herr Mudallal ein Seniorencafé. Hier werden neben einem Freizeitangebot für ältere Einwanderer auch Informationen zur Rente und Pflege an ältere Einwanderer weitergegeben und diese an weiterführende Beratungsstellen verwiesen, wie u.a. an die Berliner Pflegestützpunkte.
Herr Mudallal unterstützt darüber hinaus aktiv die engagierte Flüchtlingsarbeit des DAZ durch Übersetzungstätigkeiten und als Kultur-Mittler für Ämter, Behörden und im Gesundheitsbereich.

2011 nahm Herr Mudallal an der Tagung der Friedrich-Ebert-Stiftung: „Jetzt reden wir! Perspektiven und Interessen älterer Zuwanderinnen und Zuwanderer im bürgerschaftlichen Engagement“ teil und brachte damit erstmals die Perspektive arabischsprachiger Seniorinnen und Senioren mit in die Diskussion ein. Er wies auf die Aspekte hin, die es arabischsprachigen Einwanderern so schwer macht, sich aktiv gesellschaftlich zu beteiligen. Ihnen ist der Ansatz einer partizipatorischen Demokratie nicht vertraut, weswegen sie nur selten nach Beteiligungsmöglichkeiten außerhalb ihres eigenen familiären und sozialen Kontextes suchen. Durch den unsicheren Aufenthaltsstatus der Familien - meistens in Form einer Aneinanderreihung von Duldungen (die sogenannten Kettenduldungen) - wurde ihnen deutlich signalisiert, dass die deutsche Mehrheitsgesellschaft ihre soziale oder politische Teilhabe eigentlich nicht wünscht. Sie hatten kein Recht dazu, sich an kommunalen Wahlen zu beteiligen und erhielten damals auch keine Chance auf eine doppelte Staatsbürgerschaft, was ihnen Reisemöglichkeiten in ihr Herkunftsland eröffnet hätte.

Weitere Ehrungen:

Am 19.6. 2009 erhielt Herr Mudallal von der Al Yarmuk Freundschaftsgesellschaft Berlin eine Auszeichnung anlässlich seiner Rede zum Al Quds-Tag (Jerusalemtag).

Von der Palästinensischen Gemeinschaft in Deutschland (PGD) e.V. nahm Herr Mudallal 2013 eine Auszeichnung für die Aktivitäten der Jordanischen Gemeinde in Empfang.

Am 01.12. 2015 wurde Herr Mudallal von der Deutschen Welle Fernsehen zu den nach Deutschland geflüchteten Menschen aus arabischen Ländern interviewt. In Anlehnung an die Aussage der Bundeskanzlerin „Wir schaffen das!“, formulierte er darin eine bejahende Haltung zum Integrationsvermögen unserer Gesellschaft.

Vom 18.-20.3. 2016 fand in Wien eine Tagung zur Gründung einer jordanisch-europäischen Vereinigung statt, zu der sich Jordanische Gemeinden, Botschafter und Konsularsvertreter aus 15 europäischen Ländern zusammenfanden. Für seinen Redebeitrag auf dieser Konferenz erhielt Herr Mudallal eine Ehrung.

 

Hamzeh Mudallal mit seiner Familie sowie Nader Khalil (DAZ), Enad Alawamleh (Jordanische Gemeinde Deutschland e.V.), Frau Dr. Nadia Nagie und Fatna Tamaoui (kom•zen)
Hamzeh Mudallal mit seiner Ehefrau Sahar

gefördert durch

Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung
Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales

Träger

Arbeiterwohlfahrt Berlin Spree-Wuhle e. V.
Caritasverband für das Erzbistum Berlin e.V.