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Nguyen Thi Van


Nguyen Thi Van
Geborenam 02. Februar 1955 in Ninh Bình, Vietnam
In Deutschlandund Berlin seit 1987
StaatsangehörigkeitVietnamesisch
Beruf Näherin
Familienstandgeschieden, zwei Töchter und einen Sohn, vier Engelkinder

Nguyen Thi Van wurde im Norden Vietnams in der Stadt Ninh Bình geboren, ca. 100 km südlich der Hauptstadt Hanoi. Sie erlebte im Kindesalter den Ausbruch und die Folgen des Vietnam-Krieges.

Im April 1987 kam sie als Vertragsarbeiterin nach Ost-Berlin und arbeitete als Näherin in einer Textilfabrik für Damenmoden in der Grünbergerstraße in Friedrichshain. Nach der Wende erlebten die vietnamesischen Berliner eine Zeit der Unsicherheit, weil die damalige Bundesregierung ihnen keinen Aufenthaltsstatus gewähren wollte. Erst 1997, nach engagiertem Kampf vieler Vereine und Initiativen der Bürgerrechtsbewegung, erhielten die ehemaligen Vertragsarbeiter ein unbefristetes Aufenthaltsrecht.

Ehrenamtliches Engagement

Gründung des Vereins 'Humanität und traditionelle vietnamesische Kultur-Sport e.V.'

Frau Van gründete zusammen mit Frau Thang und weiteren Mitstreiterinnen den Verein 'Humanität und traditionelle vietnamesische Kultur-Sport e.V.'. Angefangen hat die Arbeit des Vereins mit dem ambulanten Hospizdienst, in dem Frau Van seit 2007 aktiv tätig ist.

Zunächst baute der Verein eine Gruppe aus ca. 10 ehrenamtlichen Hospizbegleiter_innen auf, die in Kooperation mit dem interkulturellen Hospizdienst 'Dong Ban Ja' des Humanistischen Verbands Berlin e.V. ausgebildet wurden, um die Arbeit der Gruppe zu professionalisieren. Im Februar 2009 erfolgte die Registereintragung des Vereins beim Amtsgericht Charlottenburg. Frau Van ist seither Vorstandsmitglied.

Ehrenamtliche Hospizbegleiterin im ambulanten Hospizdienst des Vereins 'Humanität und traditionelle vietnamesische Kultur-Sport e.V.'

Als ehrenamtliche Hospizbegleiterin begleitet Frau Van seit 2007 schwer Kranke und Menschen am Lebensende mit deutscher und vietnamesischer Herkunft in Krankenhäusern, Seniorenheimen, Hospizen, zu Hause und in Unterkünften für Asylsuchende. Sie berät bei der Organisation der Pflege und bei der Auswahl der Pflegemittel und hilft beim Ausfüllen von Anträgen. Sie erledigt Einkäufe, macht Haushaltsarbeiten und kocht Essen. Insbesondere die vietnamesischen Patienten in Krankenhäusern, Seniorenheimen und Hospizen freuen sich sehr über das vietnamesische Essen.

Viele der Betreuten sind völlig auf sich allein gestellt, haben keine Familie oder Ehepartner. Frau Vans Dienste sind für sie unverzichtbar. Zusätzlich leistet sie telefonische Seelsorge und ist immer ansprechbar, wenn es nötig ist. Sie spendet den Patienten und Angehörigen Trost. Im Todesfall leistet sie den Angehörigen Beistand und unterstützt bei der Organisation der Trauerfeier. Sie ermöglicht und begleitet die Einhaltung buddhistischer Rituale, auch bei Verstorbenen in Krankenhäusern und Hospizen.

Die kultur- und religionssensible Begleitung in der Muttersprache sowie die Achtung der Traditionen sind gerade in dieser schwierigen Phase am Lebensende von ganz besonderer Bedeutung. Frau Van leistet diese schwierige und emotional herausfordernde Arbeit mit ganzem Herzen. Sie ist 24 Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche erreichbar. Wenn sie gebraucht wird, ist sie sofort zur Stelle. Das buddhistische Prinzip der Barmherzigkeit ist ihr Antrieb und Kraftquelle zugleich, die schweren Schicksale berühren sie sehr. Dennoch spricht sie nicht gerne über ihre Arbeit. Diese ist ihr selbstverständlich geworden. Für ihr unermüdliches Engagement ist sie in der ganzen Community bekannt und geschätzt und sie genießt vollstes Vertrauen in ihre Fähigkeiten.

Seit über 10 Jahren ist sie im gesamten Stadtgebiet tätig und legt weite Strecken zurück, um den Menschen zu helfen. Aufgrund der Einzigartigkeit dieses Angebotes wird Frau Van auch von Patienten und deren Angehörigen außerhalb von Berlin angefragt. So begleitete sie bereits Patienten in Frankfurt am Main, München, Chemnitz und selbst in Tschechien.

Die bedeutungsvolle Arbeit von Nguyen Thi Van ist ein unschätzbar wertvoller Beitrag für ein würdevolles Sterben mit kultursensibler Begleitung. Sie leistet eine schwierige und aufopferungsvolle Arbeit, die beispielhaft für alle Berlinerinnen und Berliner ist. Als Bürgerin Berlins hat sie die Stadt durch ihr Engagement bereichert und Liebe und Barmherzigkeit in sie hineingebracht. Aufgrund dieser beachtlichen Leistung wurde sie mit der Berliner Ehrennadel für besonderes soziales Engagement ausgezeichnet.

gefördert durch

Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung
Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales

Träger

Arbeiterwohlfahrt Berlin Spree-Wuhle e. V.
Caritasverband für das Erzbistum Berlin e.V.